Posts mit dem Label Job werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Job werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 9. Oktober 2017

Volunteering

Nachdem ich Titus heute morgen im Kindergarten abgeliefert habe, bleibt genug Zeit für einen kleinen Spaziergang. Ich schlendere über die Newton Road hinter "unserem" Hakwer vorbei -da es die ganze Nacht durch heftig geregnet hat und nun die Sonne scheint, ist die Luft wunderbar klar und die Straßen glänzen vor Nässe.


Um kurz vor 9 Uhr stehe ich am Eingang der Anglo-Chinese Junior School und lasse mir von den Wächtern am Eingang einen Besucherausweis geben. In dieser Schule findet heute eine Aktion von  "Food from the heart" statt, und ich habe mich über deren Volunteering Program dafür einteilen lassen. Gemeinsam mit 8 anderen Freiwilligen und der Organisatorin Carolyn wollen wir den Grundschülern ein bisschen was zur Verschwendung von Lebensmitteln erzählen. Außerdem werden leer gegessene Teller in der Kantine gezählt und an die dazugehörigen Schüler Aufkleber und Stifte verteilt.

Nach einer kurzen Einweisung geht es los - der erste Teil der gut 1.500 Schüler hat um 9:30 Uhr die erste Pause und die "Kleinen" 6- und 7jährigen stürmen die Kantine. Bald stapeln sich die ersten Teller, wir zählen, verteilen Sticker, beantworten Fragen und verteilen bunte Kugelschreiber. An der reinen Jungenschule kommt die Farbe pink nicht so gut an, aber blau und grün wird gerne genommen.
Ich habe dazwischen genug Zeit, mir die riesige Freiluftkantine anzuschauen, es gibt zig verschieden Essensausgaben mit japanischem, koreanischem, malayischen und "western-style" Essen. Dazu noch Getränkestände und extra Schränke mit Schuluniformen - denn ein paar der Kinder müssen sich nach dem Essen definitiv umziehen.

Bald ertönt der Gong, Schichtwechsel, zumindest für die Schüler: die nächsten Klassenstufen haben Pause. Dass die Jungs nun merklich älter sind, merken wir vor allem daran, dass nun längst nicht mehr alle einen Aufkleber wollen (zu uncool), aber die Stifte finden immer noch reißenden Absatz und die Kids zeigen stolz ihre leeren Teller vor.




Als letzes sind dann die "Großen" dran, und die versuchen doch hin und wieder, ihre Essensreste heimlich in der Mülltonne zu entsorgen. Doch meine Team-Kameradin Anna passt gut auf, beim Verteilen der kleinen Geschenke sind wir strikt.

Ehe ich mich versehe, ist es Mittag und unsere Schicht ist vorbei. Wir machen noch ein Gruppenfoto, werden freundlichst verabschiedet, und so endet meine erste "Freiwilligenarbeit" in Singapur. Die Organisation "Food from the heart" bietet noch zig andere Aktionen an, u.a. gibt es Lebensmittel- und Spielzeug-Spenden an bedürftige Familien zu verteilen, außerdem werden täglich abends Brote und Brötchen bei Bäckereien und Supermärkten eingesammelt und verteilt. Über ein schickes Online-Portal kann man sich ganz einfach als Volunteer registrieren und dann selbstständig für Aktionen einteilen. Toll!

Montag, 18. September 2017

Pool-Glück und Wochenstart mit neuem "Job"

So ein fauler Sonntag geht ganz schön schnell vorbei! Zuerst frühstücken wir gemütlich (naja, ich trinke morgens ja nur eine große Tasse Milchkaffee), dann gehe ich ins Gym und anschließend in den Pool. Völlig unbeobachtet kann ich an meiner (noch!) nicht vorhandenen Kraultechnik arbeiten, und als ich völlig außer Puste den Kopf aus dem Wasser hebe, winkt mir Titus vom Beckenrand zu.
Wir baden eine ganze Weile, und einfach den Sonntag Vormittag im hauseigenen Riesen-Pool verbringen zu können, ist ganz schön luxuriös!





Während Norman anschließend mit seinem Roller die Nachbarschaft erkundet und mir begeistert von seinem Ausflug auf den nahe gelegenen Markt erzählt, hören Titus und ich ein Kinderhörbuch. Endlich klingelt es an der Tür, die Ikea-Lieferung ist angekommen. Sofort holen beide Männer ihre jeweiligen Werkzeugkästen und legen los, es wird geschraubt und montiert, und Titus redet dabei ununterbrochen, so aufgeregt ist er.


Endlich stehen die bestellten Regale, doch ich bin verwirrt - da fehlt doch noch das neue Schuhregal?! Beim Blick auf den Einkaufszettel stellen wir fest, dass wir es schlichtweg nicht gekauft haben. Also lohnt sich wirklich ein erneuter Besuch im Möbelhaus...

Ich telefoniere ausgiebigst mit der Familie und den lieben München (Ex-)Nachbarn, und Titus und Norman gehen auf einen Nachmittagssnack und einen kleinen Einkauf rüber in die Mall. ("Papa, Du musst mir heute ein Eis kaufen. Du hast ja soviel Geld, weil Du ja immer arbeiten gehst.") 
So praktisch, dass man am Sonntag alles liegen gebliebene erledigen kann.
Mit Nägeln fürs Bilder-Aufhängen und mit Backzutaten kommen die beiden zurück, denn Norman möchte gerne einen "Einstandskuchen" mit in die Arbeit nehmen, und so werfen Titus und ich die Küchenmaschine an und backen einen sehr vorzeigbaren Marmor-Guglhupf.
Leider haben wir immer noch kein warmes Wasser, und das Abspülen ist mühsam.

Zur Belohung gibt es heute eine Pizza, die der Herr des Hauses großzügig bei Italiener gegenüber holt. Als wir die Pizzakartons öffnen, wird klar, warum die so günstig waren - die Pizzen sind nämlich nur etwas größer als eine handelsübliche CD, und wer unser Kind halbwegs kennt, ahnt, dass zumindest ich meine Pizza lieber nur zur Hälfte esse und den Rest für Titus übrig lasse.

Immerhin werde ich danach mit einem eiskalten Glas Riesling aus unserem eisernen Vorrat besänftigt, während wir endlich (!) wieder in die Game of Thrones-Sucht einsteigen. Es dauert nur ca. 1 Stunde, bis wir herausgefunden haben, wo wir im Juli jäh durch Verschiffung unseres Hausrates unterbrechen mussten, aber dann sind wir sofort wieder gebannt.
Von der ganzen Formel-Eins kriegen wir außer ein bisschen Feuerwerk-Gedonner überhaupt nichts mit, da wir keinen TV-Anschluss haben und das Rennen natürlich nicht irgendwo live im Internet
gestreamt wird. Mich interessiert Autosport eh nicht die Bohne, das kann ich also gut verschmerzen!

Der Wochenstart ist hier längst nicht so ätzend wie zuhause! Zum einen scheint uns morgens die sehr warme Sonne auf den Frühstückstisch, zum anderen liebe ich es, nur schnell ein Kleidchen anziehen zu müssen, und zum dritten haben wir natürlich überhaupt keinen Zeitdruck. Selbst Norman geht (recht gemütlich) erst um 8:15 Uhr aus dem Haus, Titus und ich ebenso. Im Kindergarten wird gerade das Thema "Bewegung und Mobilität" behandelt, und Ms. Pooja empfängt uns gleich mit der Frage, wie wir denn morgens in den Kindergarten kommen. Das Kind antwortet mit "laufen" und bekommt ein entsprechendes Bildchen. Die anderen Auswahlmöglichkeiten sind "Bus", "Schulbus", "Auto" und "Taxi". Tatsächlich sehe ich morgens und nachmittags einige Eltern im Taxi oder gar in der Limousine mit Chauffeur vorfahren...

Ich bin heute auch "geschäftlich" unterwegs und fahre deshalb direkt mit der MRT von Newton nach Bukit Timah. Die anschließende Busfahrt will ich mir sparen, da ich eh zu früh bin, und möchte einen netten 20minütgen Spaziergang bis zur "German Association" machen. Nach 10 Minuten bin ich nassgeschwitzt und die Wimperntusche verschmiert. Immerhin komme ich pünktlich um 10 Uhr im sog. "Deutschen Haus" an - heute bin ich zur Redaktionssitzung des deutschsprachigen Magazins "Impulse" eingeladen.
Eine nette Runde aus etwa 15 deutschen Frauen (und einem österreichischen Quoten-Mann) sitzt für gut 2 Stunden beisammen. 


Es werden die Themen für die nächsten beiden Ausgaben des monatlichen erscheinenden Heftes besprochen, außerdem entspinnen sich immer wieder Gespräche darüber, wo z.B. die beste Weihnachtsdeko zu kaufen oder welche Stadtführungen interessant sind. Ich als Singapur-Neuling lausche hochkonzentriert und mache mir unentwegt Notizen, damit ich nur ja keine gute Idee (Kochkurse, Ehrenämter, Yogastudios...) vergesse.
Am Ende der Sitzung bin ich die neue Verantwortliche für den Veranstaltungskalender und darf für die Januar-Ausgabe schon einen Artikel beisteuern. Alles ehrenamtlich natürlich. Noch viel besser ist aber, dass ich gleich mit zig neuen Handynummern und zwei Dates zum Kaffeeklatsch nach Hause fahre.

Gerade noch rechtzeitig erreiche ich unsere Eingangstür, anschließend geht ein Wolkenbruch biblichen Ausmaßes über Singapur nieder. Fast zwei Stunden lang blitzt es im Minutentakt, und der Donner ist so laut, dass ich kaum mein eigenes Wort verstehe, als ich wieder mein Glück beim Hausverwalter versuche. Der ist allerdings immer noch hilflos, was die Warmwasserproblematik angeht, und rät mir, mich mit unserer Maklerin auszutauschen.
Mit Schirm bewaffnet hole ich Titus ab, trotzdem sind meine Ballerinas nach zwei Minuten durchweicht, und so kann ich dann auch beruhigt mit dem sehr zufriedenen Kind in die großen Pfützen springen, denn nasser können die Schuhe nicht werden.

Zuhause hängen wir ein paar Bilder auf und gehen dann unserem Lieblingshobby nach: kochen. Stundenlang rühren wir Teig und backen Berge von Spinat- und süßen Waffeln. 


Wunderbarerweise kommt auf einmal wieder heißes Wasser aus dem Hahn, so dass wir gleich das Teig-Massaker beseitigen können. Wo das Problem bei der Wasserversorgung lag, bleibt rätselhaft.