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Dienstag, 31. Oktober 2017

Monatsrückblick: Oktober 2017

Die diversen Halloween-Partys haben wir gut überstanden.
The "spooky chef"

Und als ich gestern mit dem Radl zur Yogastunde unterwegs war, kreuzten Prince Charles und Camilla meinen Weg, als sie gerade nach der offiziellen Begrüßungszeremonie den Präsidentenpalast Istana verließen.


So endet der Oktober, wir leben nun schon drei Monate in Singapur und sind trotz mangelnder Herbststimmung immer noch sehr angetan von unserem neuen Zuhause.

 Zeit für den Monatsrückblick - das habe ich gelernt:

1. Die Singapurer sind Hygiene-Fanatiker. Bei den Kindergarten-Kindern wird jeweils morgens, mittags und nachmittags die Temperatur gemessen, bei kleinsten Erhöhungen heißt es sofort: abholen und zum Arzt. Überall hängen Hinweisschilder, wie das korrekte Händewaschen abzulaufen hat. Arbeitnehmer, die veschnupft ins Büro gehen, sind überhaupt nicht gerne gesehen. Jeder, der auch nur unter leichten Erkältungsbeschwerden leidet, möge bitte sofort nach Hause gehen und sich dort mindestens drei Tage auskurieren. Oder wenigstens einen Mundschutz tragen.
An Bushaltestellen hängen riesige Plakate der "F.I.G.H.T."-Kampagne, die auf vermeintlich "coole" Art darauf aufmerksam machen soll, wie man die Übertragung von Krankheitserregern vermeiden kann. Passend dazu gibt es natürlich auch Kinderbücher.



2. Gute Putzfrauen sind offenbar so rar wie auch in München. Zwar bin ich nun mit unserer zweiten Dame insgesamt zufrieden, doch leider spricht sie nicht wirklich gut Englisch, was die Kommunikation erschwert. Nachdem ich sie diese Woche darauf hingewiesen hatte, dass sie doch bitte verschiedene Putzlappen ("different cloth") für Küche/Bad/Rest der Wohnung benutzen solle, stellte ich später fest, dass sie tatsächlich andere Lappen als beim letzten Mal benutzt hatte - allerdings wieder genau einen für die gesamte Wohnung.

3. Akzeptieren müssen wir wohl auch, dass ein gewisses Maß an Ungeziefern zu einem Leben in den Tropen schlichtweg dazugehört. Bei meiner kleinem Umfrage stellte sich heraus, dass jeder (egal in welchem Stockwerk lebend) Kakerlaken bei sich zuhause hat - manche mehr, manche weniger. Auch Ameisen sind weit verbreitet, und so haben die vielen Kammerjäger-Firmen in der Stadt gut zu tun. Da ich zwar keine Angst vor Krabbeltieren habe, sie aber doch nach wie vor eklig finde, rüsten wir nun zum Kampf und ich habe eine große Bestellung an Giftsprays aufgegeben.

4. Der durch Studien belegte "honeymoon", den wir als frischgebackene Expats gerade durchlaufen, hält dennoch nach wie vor an. Noch freuen wir uns, dass es hier im Gegensatz zu München immer noch sommerlich warm ist und vermissen weder Herbststimmung noch warme Kleidung oder die Umstellung auf Winterzeit. Die Weihnachtsdeko in den Straßen mutet zwar etwas seltsam an und ich bin noch unschlüssig, ob ich dieses Jahr überhaupt Plätzchen backen soll, aber eine Sehnsucht nach Deutschland empfinde ich überhaupt nicht. Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt.

5. Zwar dachte ich bei den vielen Fotos von Herbstwanderungen in den Alpen, die mir die Lieben aus der Ferne regelmäßig schicken, schon hin und wieder mal: "Och, wie schön, so eine Bergtour!", doch muss ich zugeben: Tauchen ist definitiv ein guter Ersatz für Berg-/Wintersport. Nach unserem Urlaub auf Tioman sind wir ganz schön "angefixt" und suchen bereits die nächsten Tauch-Spots für unseren Weihnachtsurlaub aus.

6. Das Reisen von Singapur aus ist wirklich toll, immer neue Reiseziele werden plötzlich realistisch, weil sie so nah sind. Das einzige Manko: der Berg an Fremdwährung, den Norman von seinen Geschäfts- bzw. von unseren Urlaubsreisen nach Hause bringt, wächst und wächst. Inzwischen habe ich zumindest mal eine Art "Sortierung" eingeführt, damit wir die ganzen malayischen Ringgit, indonesischen Rupien, australischen Dollars, thailändischen Baht und was da sonst noch alles dazukommen wird, nicht durcheinander bringen und für die nächste Reise griffbereit haben.



7. Zu den vielen Währungen, deren jeweiligen Umrechnungskurs ich mir nie merken kann, kommt der ständige Kontakt zu neuen Sprachen. Auf Tioman stellten wir plötzlich fest, dass wir einige Wörter aus Sumatra wiedererkennen. Internetsuchen ergaben, sowohl Malayen als auch Indonesier malaiisch sprechen (neben unzähligen Dialekten natürlich). Wusste ich vorher nicht!
Bei der Chorprobe gestern lernten wir ein Lied im Hokkien-Dialekt, von dem ich bislang auch noch kaum etwas gehört hatte - zum Glück hatten wir zwei Muttersprachler in der Gruppe, die uns geduldigst die Aussprache beibrachten.
Titus kann nun immerhin auf malaiisch zwei ("dua") Pfannkuchen bestellen, außerdem findet nachmittags im Kindergarten immer eine Spieleinheit auf Mandarin statt. Ich bin gespannt, wann er davon die ersten Wörter von sich gibt.

8. Morgens bietet sich mir auf dem Weg in Titus' Kindergarten immer ein nettes Bild - inzwischen kennt man sich in der Nachbarschaft, gegen 8:30 Uhr sind stets diesselben Menschen Richtung Büro, Schule oder Kindergarten unterwegs. Die Kinder und Jugendlichen sind allesamt adrett in ihre jeweiligen Schul-Uniformen gekleidet. Ich persönlich finde das ja ganz prima - morgens entfällt die lästige Klamottensuche, alle sehen einigermaßen gleich aus, egal mit welchem Budget der elterliche Haushalt ausgestattet ist, und die Kinder identifizieren sich so schnell mit ihrer jeweiligen Einrichtung (und sind auch außerhalb stets als deren Mitglied zu erkennen).
Mit einer einheimischen Nachbarin hatte ich kürzlich ein längeres Gespräch, und wir versuchten zu ergründen, warum in Deutschland Schuluniformen unüblich sind. Wir schlussfolgerten, dass die Individualität dort höher geschätzt wird, während in Singapur bereits Kinder zu einer gewissen Konformität in diesem Vielvölkerstaat erzogen werden.

9. Noch etwas, worüber ich beim morgendlichen Spaziergang gerne sinniere: sämtliche Hochhaus-Komplexe, in denen Wohnungen untergebracht sind, tragen Eigennamen. Man nennt also nicht die Straße, in der man wohnt, sondern das Stadtviertel und dazu noch den Namen des Condos, in unserem Fall "Lincoln Suites" (und evtl. noch das nächstgelegene Einkaufszentrum dazu, das kennen Taxifahrer in jedem Fall).
Mir zaubern sehr oft diese Namen ein Lächeln ins Gesicht, denn die sind zum Teil sehr hochtrabend, schöngeistig oder oft auch einfach albern.

Meine Lieblinge:
- The Edge
- Newton Gems
- Park Infinia
- The Light (es gibt auch: The Lumos)
- The Beverly
- Holland Village / Spanish Village
- Charming Gardens / Tulip Garden / Waterfall Garden / Mayfair Garden / Wing on Life Garden...
- Casa Esperanza
- Cascadia
- The Legend
- The Equatorial
- Trilight
Ich könnte ewig weiter aufzählen!

10. Zu guter Letzt - das sind unsere neuen Lieblings-Kinderbücher in diesem Monat:
- "How to wash a wooly mammoth" von Michelle Robinson (auch auf Deutsch erhältlich)
- "You must bring a hat" von Simon Philip/Kate Kindley - so eine herrlich absurde Geschichte und so schön gezeichnet! (ebenfalls auf Deutsch erhältlich)
(Vor-)Lesen und dabei laut lachen!

Momentan schlage ich mir mit zwei Fragen herum:
1. Wohin mit ausgedienten Batterien?
2. Woher kriege ich in Singapur eine Professionelle Zahnreinigung (klar, Zahnärzte gibts en masse, Empfehlungen für diverse Praxen habe ich auch bereits in der Tasche, aber eine PZR nach deutschem Maßstab finde ich einfach nicht. Naja, notfalls vertage ich das Problem bis zu unserem Heimatbesuch im März).



Sonntag, 1. Oktober 2017

Monatsrückblick: September 2017

Der zweite Monat ist vorbei, und wieder ist wirklich viel passiert. Deshalb hier meine neuesten Erkenntnisse:

1. Umziehen ist immer anstrengend. Egal wohin, egal für wie lange man bleiben will. Einpacken oder auspacken nervt, verräumen, Möbel kaufen und aufbauen, Schränke bestücken, Bilder und Regale aufhängen...
Aber immerhin fühlen wir uns dank eigener Möbel und Haushaltsgegenstände wirklich sehr schnell "zuhause" in unserer Wohnung, das Mitnehmen aller Sachen erleichtert die Eingewöhnung wirklich sehr.

2. Besuche beim schwedischen Möbelhaus gleichen sich, egal, auf welchem Kontinent man sie absolviert. Immer vergisst man irgendetwas oder es ist nicht vorrätig, immer braucht man viel mehr Zeit dort als geplant. Ohne eigenes Auto verkompliziert sich der Einkauf noch ein wenig.
Der einzige große Unterschied: im Ikea-Restaurant gibt es einen eigene Counter für "halal"-Menüs.



3. Zum Alltag gehören auch die wöchentlichen Großeinkäufe, denn die neue Küche will ja auch bestückt werden. Nach mehreren Wochen, in denen ich ein halbes Vermögen im Cold Storage-Supermarkt ausgegeben habe, radle ich nun wöchentlich rüber zum Wet Market, decke uns dort zu Spottpreisen mit Gemüse, Nudeln, Obst und Brot ein und lasse den Rest vom Giant-Supermarkt (der "Lidl" Singapurs) kostenlos nach Hause liefern. Schwupps, schon geben wir nur noch die Hälfte für Lebensmittel aus.
Nur die Milchprodukte, die reißen jedes Mal ein größeres Loch in die Kasse: Milch, Joghurt und vor allem Butter sind unfassbar teuer - denn zum einen gibt es in Singapur natürlich kaum eigene Milchwirtschaft, zum anderen können Asiaten ganz prima ohne Milch leben...

4. Ebenso teuer: Drogerie-Artikel. Zwar kann man manchmal Schnäppchen im Supermarkt in Chinatown machen, zwei Duschgels zum Preis von einem kaufen oder ähnliches, doch Bio-Qualität ist das natürlich nicht. Für die muss man dann schon richtig Geld in die Hand nehmen. Auch Kosmetik gibt es nur von teuren Marken, eine eigene gute Hausmarke à la Alverde suche ich (noch) vergebens.

5. Wer denkt, dass es nur in Deutschland inzwischen gang und gäbe sei, sein Kind per Auto in die Schule zu bringen, der sollte einmal am frühen Nachmittag versuchen, per Bus oder Fahrrad an den großen Singapurer Schulen vorbeizufahren. Kilometerlange Staus bilden sich vor den Einfahrten, eigens dafür angestellte Parkwächter koordinieren das Chaos, denn jeder, der etwas auf sich hält, holt sein Kind natürlich mit dem eigenen Wagen ab (oder schickt den Fahrer oder die Maid mit dem Taxi). Per öffentlichem Bus oder gar zu Fuß ist praktisch niemand unterwegs. Höchstens noch der Schulbus ist okay, und auch die reihen sich zigfach hintereinander in die Warteschlange ein.

6. In Singapur wird ja wirklich vieles "von höchster Stelle" geregelt und reguliert. Überall, wo man hingeht, gibt es einen Schilderwald mit Verhaltensregeln: sei freundlich, sei höflich, biete Deinen Sitzplatz an, sei leise, stehe auf der linken Seite der Rolltreppe, fahr nicht so schnell, nimm keine Durians im Bus mit, trockne Dir die Hände ab, ... Alles äußerst höflich formuliert und in hübschen Bildern dargestellt. Und somit eindeutig erkennbar. Aber als wir zum ersten Mal das Schild "no pda" gesehen haben, mussten wir doch erst einmal nachschauen: "no public display of affection" - Küssen oder sonstige Intimitäten in der Öffentlichkeit sind also verboten.

7. Die Kinderbetreuung ist wirklich vom Staat ganz prima geregelt: es gibt für jedes Kind einen Ganztags-Betreuungsplatz, egal, für welches Alter, und natürlich sind auch die Kosten für eine Nanny halbwegs tragbar. Aber es gibt eben auch keine Elternzeit; Frauen bekommen nach der Geburt 16 Wochen frei, und so werden selbst 6 Monate alte Babys bereits für 12 Stunden täglich in die Betreuungseinrichtung gebracht oder der im Haushalt lebenden Nanny übergeben.
Väter bekommen immerhin zwei Wochen (!) bezahlte Elternzeit.
Schulkinder büffeln täglich bis abends, und werden dann samstags noch in den Extra-Englischunterricht oder zur Musikschule gebracht.
Die Diskussion, ob man als arbeitende Mutter eine Rabenmutter ist, oder ob ein Kind unter Vollzeit-Fremdbetreuung leidet, stellt sich in Asien offenbar nicht.

8. Zumindest "unser" Kindergarten ist aber eben auch eine wirklich gute Einrichtung: der Betreuungsschlüssel liegt deutlich höher als in Deutschland, und das Engagement der Erzieherinnen ist sehr groß. So gibt es für Titus's Gruppe z.B. alle 14 Tage einen Newsletter per Rundmail, in dem anhand vieler Fotos über die Aktivitäten der "starfish-class" berichtet wird. Außerdem schreibt die Kindergärtnerin selbst spät abends noch Mails und erkundigt sich nach dem Befinden des Juniors, schickt Erinnerungen über besondere Aktivitäten oder über Schließtage...

9. Ich liebe englische Kinderbücher! Jeder Ausflug in die Bibliothek sind für mich eine Offenbarung: solche Massen an wunderbar lustigen, inhaltlich interessanten Kinderbüchern, die auch noch so toll gezeichnet sind, habe ich in Deutschland noch nie gesehen.
Meine heißesten Tipps sind:
- "Du iz tak?" - eine Käfergeschichte in Käfersprache, und das funktioniert bestens! (gibts auch auf Deutsch)
- "A day at the animal airport" - hier besucht die Koala-Familie per Flugzeug die Oma, die wohnt nämlich in Koala (!) Lumpur (gibts auch auf Deutsch)
- "The curious case of the missing mammoth" - ein Besuch im Naturkundemuseum mitten in der Nacht, neben lustigen Wortspielen werden ganz nebenbei noch so viele Informationen liebevoll verpackt, toll! (leider noch nicht auf Deutsch erhältlich)

10. Und zu guter Letzt: als deutsche Frau entspricht man hier definitiv nicht dem Schönheitsideal. Die Asiatinnen sind natürlich alle furchtbar dünn und knabenhaft, dementsprechend ist auch die Mode, und die internationalen Ketten passen selbstverständlich ihre Größen für den asiatischen Markt an.
Außerdem achten die Damen hier sehr auf ihre Haut - kaum eine geht ohne dicken Sonnenschutz, "whitening creme" und Sonnenschirm oder -hut raus. Oder am besten gar nicht an die frische Luft. Dementsprechend weiß und faltenfrei sehen die Ladys aus, und sind vom Alter her kaum zu schätzen. Graue Haare hat hier auch kaum jemand, und das asiatische, glatte Haar sieht immer perfekt gestylt aus - während sich bei den Westlern durch die Hitze und die Luftfeuchtigkeit fünf Minuten nach Verlassen der Wohnung der Pudeleffekt auf dem Kopf einstellt.

So, zwar habe ich auch im zweiten Monat wieder viel gesehen, gestaunt und gelernt, und doch gibt es immer noch viele offene Fragen:

1. Ich bin wirklich froh, dass ich so "klein" bin, entspreche ich doch der Singapurer Durchschnittsgröße und finde problemlos Klamotten und Schuhe - aber was machen bitte alle über 1.70m?

2. Dass selbst die riesigen Luxus-Shoppingtempel nach Feng Shui-Prinzipien erbaut sind, fasziniert mich unheimlich. In Singapur wird diese Wissenschaft sehr ernst genommen, und so, wie die Geschäfte florieren, scheint es zu funktionieren. Nun frage ich mich: warum versucht keine der internationalen Ketten, die Läden in Europa dementsprechend umzubauen und einzurichten? Oder wird das schon längst so gemacht?

3. Auch wenn wir im Prinzip alles kaufen können, was wir brauchen, da sich jedes beliebige Produkt auch in Singapur finden lässt, schmecken manche Sachen einfach anders. Von Brot brauche ich gar nicht anzufangen, das nehmen wir erst einmal einfach hin.
Aber was zum Teufel ist hier mit den Äpfeln los? Die schmecken großteils eher so naja (und selbst mir als Apfel-Junkie fällt mein täglicher Apfelgenuss schwer), das erste selbstgekochte Apfelmus kippten wir direkt weg, und auch das gekaufte Mus aus dem Glas hat einen äußerst seltsamen Beigeschmack. Warum?




Freitag, 1. September 2017

Monatsrückblick: August 2017

Es ist soweit - mein erster Monatsrückblick steht an! Vor 32 Tagen sind wir von München aus ins Abenteuer "Singapur" gestartet, und der Monat August war natürlich voller neuer Eindrücke, Erkenntnisse und der Aufgabe, sich im neuen Alltag zurechtzufinden.

Ich habe mir nun vorgenommen, jeden Monat zehn Dinge aufzuschreiben, die ich gelernt habe. Und dazu noch jeweils drei offene Fragen, dich ich für mich im folgenden Monat klären will. Los geht's!

Was ich im ersten Monat in Singapur gelernt habe:

1. Ein Bankkonto zu eröffnen, ist gar nicht so einfach, wenn man zum einen kein eigenes Einkommen und zum zweiten keinen vollwertigen Aufenthaltstatus hat und man zum dritten damit auf ein recht striktes Verwaltungswesen trifft.

2. Für mich als immer sehr "selbstständige" Person ist es manchmal ganz schön schwer zu schlucken, wenn für alle offiziellen Belange (siehe Punkt 1) immer die Unterschrift des Ehemanns dazuverlangt wird und ich dazu noch momentan finanziell sehr abhängig von ihm bin. Mein Selbstbild wankt da schon gewaltig, ich bin immer hin- und hergerissen zwischen: "Oh mein Gott, wie bescheuert, ich muss mir sofort einen Job suchen und was für meine Karriere tun" und "Wow, was für ein Luxus!"

3. Wenn ich neu in einer Stadt bin, suche ich mir zuallererst einen Chor. Das hat in Augsburg, München und Bern funktioniert, und in Singapur ebenso. Eine fast 30jährige Chorerfahrung hilft da natürlich, bereits nach den ersten Minuten der ersten Chorprobe stellte sich eine Art "Heimkommen-Gefühl" ein, denn Singen und gemeinsames Musizieren überhaupt klappt in allen Sprachen. Und: Musik verbindet, schnell ergeben sich nette Bekanntschaften, denn mit einem gemeinsamen Hobby als ersten Anknüpfungspunkt ist schon die erste Hürde genommen.

4. So aufgeräumt, ordentlich und hochtechnisiert Singapur auch sein mag: in Sachen "Körperfunktionen" gilt hier das asiatische Prinzip: "Kein Grund, sich zu schämen, hört her, wie wunderbar mein Körper ist." Das gilt für Rülpsen und lautstarkes Nase-Hochziehen oder Ausspucken in der Öffentlichkeit, aber auch genauso für weithin hörbares Pupsen in der Chorprobe.

5. Klischeehaft, und doch wahr: die liebste Beschäftigung der Singapurer ist "queueing, shopping and eating" (also Anstehen, Einkaufen und Essen). Ersteres führt meist unweigerlich zu zweitem oder dritten. Noch niemals vorher habe ich soviele Einkaufszentren gesehen, von Billigtand aus China bis hin zu Luxusartikeln gibt es schlichtweg alles, und nicht nur in einer bestimmten Straße, sondern in jedem einzelnen Stadtviertel gleich mehrfach.
Gekocht wird hier offenbar auch eher selten, so voll, wie die Food courts und Hawker Centers zu jeder Minute des Tages sind. Warum auch kochen, wenn man hier für sehr wenig Geld aus allen nur erdenklichen Speisen auswählen kann?!

6. Die "alle nur erdenklichen Speisen" sind wörtlich zu nehmen: es gibt nichts, was es nicht gibt. Von guten Brezen beim deutschen Bäcker hin zu fantastischen Croissants in der Boulangerie über Koreanisches BBQ zu Sushi, chinesischem Hot Pot, Thai-Küche, süd- und nordindischen Spezialitäten, Tapas, Pizza,  vietnamesischen Sommerrollen bis hin zu eher seltsam anmutenden Speisen wie "frog pie", "pigs tail soup" oder "juice with cheese" findet sich immer, zu jeder Uhrzeit und für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas passendes. Alles immer in top Qualität, und hygienisch völlig unbedenklich. Jeder noch so kleine Essensstand wird von der zuständigen Behörde zertifiziert und klassifiziert (nach verschiedenen "Hygiene-Standards). Diese Info kann dann über eine kostenlose App eingesehen werden, die wirklich alle in der Stadt vorhandenen Cafés, Restaurants, Stände, Bratküchen, Eisdielen etc. auflistet.

7. Die wichtigste Regel beim Essen gehen: eine Packung Feuchttücher oder eine Visitenkarte auf dem Tisch bedeutet: "Das ist meiner." Und das wird auch so akzeptiert. Wie praktisch!

8. Für einen "Ausländer" ist Singapur die praktischste Stadt Asiens - denn hier fallen wir nicht auf, wenn wir draußen unterwegs sind. So viele verschiedene Nationen bevölkern diesen kleinen Stadtstaat auf engstem Raum, dass hier eine europäische Familie mehr oder weniger nicht ins Gewicht. Dass hier Englisch eine der vielen Amtssprachen ist, macht das Ankommen natürlich besonders leicht. An "Singlish" muss ich mich allerdings noch ein bisschen gewöhnen, aber dass man statt "Ja" hier einfach "can" und statt "Nein" "cannot" sagt, haben Norman und ich sofort verinnerlicht: "Kannst Du bitte heute noch die Gebühr für den Kindergarten überweisen?" - "Can can!"

9. Auch wenn wir mit Englisch prima durchkommen, ist es wirklich erstaunlich, welch ein Aufwand vonnöten sein muss, um einen Staat mit gleich vier Amtssprachen zu verwalten. Allein der dadurch entstehende Schilderwald und die langatmigen Ansagen in der U-Bahn! Mandarin ist natürlich durch die große chinesische Bevölkerung die zweitwichtigte Sprache und wird in den internationalen Schulen und Kindergärten mit unterrichtet. Malayisch klingt so ein bisschen wie die Minion-Sprache, der einzige Satz, den ich sofort auswendig konnte, war: "Berhati-hati di ruang platform." oder auch: "Please mind the gap."

10. Ein siamesischer Kampffisch heißt so, weil er wirklich agressiv ist. Auch wenn er nur 5 cm groß ist. Jedenfalls springt mich unser neues Haustier bei jeder Fütterung an und "beißt" mir schier den Finger ab, und guckt den Rest des Tages grimmig aus dem Aquarium heraus. Einzelhaltung unbedingt notwendig, ansonsten bekämpfen sich die Viecher permanent. So ein Wissen muss man sich dann auch erst einmal anlesen!

Was ich noch nicht verstanden habe:

1. Gibt es wirklich Menschen, die gerne zum Nachtisch ein Stückchen Durian verspeisen? Inzwischen wurde uns nämlich gesagt, dass nicht nur der Geruch so ekelerregend sei, sondern sich auch die Konsistenz als eine Art Pudding mit Fasern drin vorstellen muss. So viele Früchte, die hier täglich an den Obstständen aufgestapelt werden, können doch unmöglich ernsthaft gegessen werden, oder?

2. Wann werden wir wie die Singapurer und bevorzugen lieber den Tisch drinnen im Restaurant, unter der auf 18 Grad eingestellten Klimaanlage, anstatt draußen bei lauschigen 27 Grad ein gutes Abendessen zu genießen? Wann genau wird uns der "Dauer-Sommer" auf den Keks gehen? Und warum hat außer uns im 26stöckigen Hochhaus niemand Balkonmöbel draußen???

3. Gibt es eine Altkleidersammlung?