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Mittwoch, 18. Oktober 2017

Happy Diwali!

Am Dienstag morgen schlingt sich Titus meinen indischen Schal um den Hals, ich ziehe mir ein passendes Oberteil über, wir befestigen den Puh-Bären am Roller und düsen so in kürzester Zeit in den Kindergarten.

Der Roller wird dort ordnungsgemäß geparkt, es stehen schon einige andere Kinderroller am Eingang, und ich gebe Titus in seinem Gruppenraum ab. Alle Erzieherinnen sind in festliche indische Gewänder gekleidet, der ganze Kindergarten ist mit Lichtern geschmückt, und beim Abholen am Nachmittag finde ich auch ein hübsches Rangoli vor. Titus zeigt mir dann auch stolz, welches der kleinen Öllämpchen-Gefäße er bemalt hat.


Auf dem Heimweg erklärt er mir: "Mama, weißt Du, worauf ich heute Lust habe? - Pfannkuchen zu backen!" In der Woche zuvor habe ich mich darauf eingelassen, doch heute will ich bei der Hitze lieber an den Pool und wir diskutieren eine ganze Weile. Zum Glück treffen wir an der Haustüre Gabi mit ihrer Nanny, und die fragt sogleich, ob Titus zum Spielen kommen mag und ob sie für ihn Pancakes backen soll. Glück gehabt!

Die Kinder spielen sehr süß miteinander, und als Titus mal auf's Klo muss, leistet ihm Gabi sogar dort Gesellschaft. Am späten Nachmittag wollen alle noch eine Runde raus zum Toben, und so düsen die Kleinen mit ihrem Rollern auf dem hauseigenen Sportplatz umher, während ich mit Gabis großem Bruder ein bisschen Körbe werfe, bis wir allesamt patschnass geschwitzt sind.



Abends im Chor ist nur etwa die Hälfte der Sänger anwesend; und Dirigent Alan plagt uns ganz schön und lässt auch bei Kleinigkeiten nicht locker. Das Weihnachtskonzert rückt näher...
Ich bin froh über die einsame und lange Busfahrt nach Hause, dort kann ich dann abschalten.

Mittwoch ist ja Feiertag, wir starten gemütlich in Deepawali, frühstücken ausgiebig, hängen herum und ich gönne mir am Vormittag eine Yogastunde. 

Endlich habe ich "mein" Studio gefunden, bei YogaMovement (eine Empfehlung von Normans Arbeitskollegin Laura) habe ich mich bereits nach der Probestunde sehr wohlgefühlt - und die 10er-Karte kostet dort auch "nur" S$220. Heute ist "Core-Yoga" dran, und die ganze Gruppe stöhnt während der vielen Haltepositionen für die Tiefenmuskulatur.

Im Bus bei der Heimfahrt treffe ich auf viele festliche gekleidete Menschen, alle sind Richtung Little India unterwegs. Ich fahre aber erst einmal zurück nach Hause und backe zusammen mit Titus einen Kirschkuchen mit Streuseln, denn am Nachmittag bekommen wir Besuch von Petra, Bo, Niclas und Lucas. Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag auf dem Balkon mit Kaffee, Kuchen und Eis und anschließend am und im Pool. Der 8jährige Lucas kümmert sich rührend um Titus und spielt stundenlang mit ihm in der Spielküche, Titus ist schwer verliebt und lässt bei der anschließenden gemeinsamen Fahrt nach Little India und beim Weg durch die Menschenmassen dort die Hand des Buben nicht mehr los, während er ohne Unterlass redet und immer wieder "Voll geil hier, oder?!" ruft.







In den engen Gässchen ist unfassbar viel los, an den Marktständen voller Schmuck, Deko und Krachern schieben wir uns mühsam vorbei, die Gerüche und Geräusche und Eindrücke erinnern so sehr an Indien, dass wir uns in einem anderen Land wähnen.


Es wird bereits dunkel, als wir endlich ein kleines Restaurant finden, in dem noch genügend Platz für uns alle ist (Madras New Woodlands). Ohne viel Federlesen übernimmt der Chef des Hauses unseren Tisch und nötigt uns diverse Thalis, Dosas, Samosas und Lassis auf. Titus hat sich selbstverständlich zwischen die beiden großen Jungs gesetzt, geht selbstständig mit den beiden zum Händewaschen und mampft dann begeistert ein riesiges Dosa.

Auch wir sind sehr angetan vom Essen, der angebotene Nachtisch (Palappam) passt zwar nicht mehr rein, ist aber so lecker, dass wir ihn trotzdem aufessen.
Ermattet bezahlen wir die S$80 (für 7 Personen) und schlendern zur Bushaltestelle. Fasziniert betrachten wir den Trubel auf der hell erleuchteten und bunt geschmückten Hauptstraße, und Titus ist so aufgedreht, dass er kaum noch zu bändigen ist. Es ist schon nach halb zehn, bis wir das Kind endlich ins Bett bugsieren können, und ich muss versprechen, dass sein "Freund Lucas" bald wieder zu Besuch kommt.


Sonntag, 8. Oktober 2017

Regenzeit in Singapur

Unser Wochenende beginnt gemütlich - ich "drehe" eine Runde auf dem Laufband, und Titus probiert währenddessen sämtliche Sportgeräte im Gym aus. 



Nach diesem anstrengenden Frühsport geht es bei schönstem Wetter an den Pool. Das Wasser im großen Becken ist nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage sehr erfrischend, und Titus lässt sich zunächst überhaupt nicht zu einem Bad überreden. Doch der kleine Kinderspielplatz direkt neben dem Schwimmerbecken steht unter Wasser, ein regelrechtes Planschbecken ist entstanden, und Titus rast mit den zwei franzöischen Nachbarsbuben um die Wette durch die tolle Riesenpfütze. Bald sind alle pitschnass.
Währenddessen plaudere ich ein bisschen mit den dazugehörigen Eltern, und wir sind uns einig, dass so ein Samstag Vormittag am Pool zu den wirklich besten Dingen gehört, die Singapur zu bieten hat. Noch mehr weiß ich das zu schätzen, als ich beim samstäglichen Telefonat mit Re erfahre, dass es in München zur Zeit empfindlich kalt ist und bereits Handschuhe beim Radlfahren im Einsatz sind...

Nach dem Mittagessen kommen wieder einmal die Werkzeugkästen zum Einsatz, im Arbeitszimmer müssen endlich die letzten (?) Regale angebracht werden. Leider kommt uns ein wenig die Schiebetür "dazwischen", aber letzten Endes können wir das von unserer Liste abhaken. Ebenso, wie die Planung des Weihnachtsurlaubes, denn Norman bucht die Flüge nach Bali!

Titus und ich backen noch schnell unseren wöchentlichen Kuchen (diesmal: Banane) und dann fahren wir im strömenden Regen los Richtung Esplanade. Titus zählt wieder fleißig die U-Bahn-Stationen, auf deutsch und auf englisch, außerdem wirft er mir ständig ein lässiges "I know" entgegen. In den letzten Tagen hat es in seinem Köpfchen wohl endlich den Schalter umgelegt und auf einmal ist Englisch sehr präsent.

In den Veranstaltungsräumen der Esplanade, dem großen Konzert- und Veranstaltungshaus Singapurs, ist im Rahmen des "Children's Day" das ganze Wochenende über ein Kinderprogrammpunkt nach dem anderen geboten, und am späten Samstag Nachmittag ist ganz schön viel Betrieb. Leider sind die Workshops alle schon durchweg ausgebucht und die Freiluft-Veranstaltungen fallen wegen des Regens aus - doch wir gucken uns in Ruhe alles an, und Titus darf mit Begeisterung zig Blätter anmalen und beschäftigt die Damen am dazugehörigen Stand eine ganze Weile mit seinen Kunstwerken.







Eigentlich wollten wir hier auch zu Abend essen, doch die Restaurants im Untergeschoss überzeugen uns nicht, und dank meiner schlauen Karte finden wir schnell heraus, dass nicht allzu weit von hier ein mexikanisches Lokal ist, dass wir eh mal ausprobieren wollten. Eine Station mit dem Bus später stehen wir vor dem "Super Loco" und genießen erst einmal bei leichtem Nieselregen den Blick auf das "Hotel mit dem Schiff auf dem Dach" (Titus) und verspeisen dann leckere Quesadillas und Salate - dazu gibt es natürlich stilgerecht eine Margarita! 


Das Kind ist dank Malbuch und Stiften sehr glücklich, nur leider ist die Heimfahrt danach etwas mühsam - bei Regenwetter ist es immer etwas schwieriger, ein Taxi zu bekommen bzw. steigen die Preise bei Grab und Uber schlagartig an. Wir müssen eine ganze Weile warten, dafür rast der Fahrer dann umso schneller. Titus beschwert sich bei der Fahrt nach Hause lauthals, dass das heute aber ein "sehr kleiner Tag" (= kurzer Tag mit zu wenig Programm) gewesen sei, ist aber ziemlich erledigt, nachdem er nach einem kurzen Bad um 21 Uhr endlich im Bett liegt.

Den Sonntag beginnen wir mit einem großen Frühstück, und als ich danach die Küche aufräume, klingelt es an der Tür und ein netter Lieferant drückt mir meine sämtlichen Lebensmittel für die kommende Woche in die Hand. Am Sonntag morgen um 9:30 Uhr - Lieferung kostenlos, versteht sich. Ist das nicht praktisch?
Danach ist genug Zeit, um Norman zum Shopping zu begleiten. Mit dem Bus fahren wir ins Ion Orchard - die Fahrt dahin zieht sich, denn die anhaltenden starken Regenfälle führen zu U-Bahn-Ausfällen und alles staut sich auf den Straßen. Im Einkaufszentrum ist aber zum Glück nicht allzu viel los, und so ersteht der Mann innerhalb kürzester Zeit neue Schuhe für die Arbeit und für die Freizeit, dazu noch eine Hose, und wir sind um kurz vor 12 Uhr schon wieder zuhause.
Während die Männer ein Fußballturnier in unserem Flur ausfechten, liege ich faul auf dem Sofa und lese ein langweiliges Buch. Deshalb bin ich ganz froh, als endlich Zeit zum Aufbruch ist. Heute sind wir zum Kaffeeklatsch und "play date" bei Normans Arbeitskollegen Jörg eingeladen. Sein Sohn Arthur ist gut ein Jahr älter als Titus und spricht dank deutschem Vater und chinesischer Mutter gleich drei Sprachen. Nach kurzem Beschnuppern verschwinden die beiden Buben im Kinderzimmer und die folgenden drei Stunden wir gemalt, gespielt, gejuchzt und getobt. Wir sitzen derweil auf dem Balkon plaudern, essen Kuchen und trinken Kaffee. Wieder zieht deutlich hörbar ein Gewitter auf und die bereits "alteingesessenen" Singapurer bestätigen, dass nun die Regenzeit angebrochen ist, die noch bis Anfang Januar dauern wird.
Einige Überredungskünste sind vonnöten, bis wir den komplett verschwitzten Junior dann endlich überzeugen können, wieder nach Hause zu gehen. Titus genießt es sichtlich, einfach auf Deutsch mit einem Kind kommunizieren zu können, und die beiden gackern noch die gesamte Aufzugfahrt und den Weg nach draußen bis zum endgültigen Abschied - während sie Händchen halten und sich zwischendurch fest drücken. Dementsprechend aufgedreht ist Titus auf der gesamten Heimfahrt im Bus , quasselt auch beim Abendessen noch ohne Unterlass und verdrückt nebenbei riesige Portionen von Puffern und Tomaten. Ich muss ihm beim Zubettbringen fest versprechen, dass Arthur ihn bald besuchen kommt.

Freitag, 15. September 2017

Verrenkungen und Möbelkauf

Heute schwinge ich mich um kurz nach halb zehn frohgemut und wagemutig aufs Fahrrad, denn ich will zum Yoga. Zuerst einmal muss ich mich durch dichte Rauchwolken und bestialischen Gestank quälen. Immer donnerstags ist nämlich sowohl auf unserem Gelände als auch bei allen anderen Condos in der Nachbarschaft die wöchentliche "pest control".
Dabei wird stinkender Qualm und sicher auch irgendetwas Giftiges auf sämtlichen Außenanlagen verteilt, in Regenrinnen eingespeist und in Gullylöcher gesprüht. Das Ganze dient zur Insektenvernichtung, denn immerhin liegt Singapur mitten in den Tropen. Und trotzdem ist der Staat seit Jahren Dengue- und Malariamückenfrei und auch die sonstige Krabbeltier-Dichte hält sich in Grenzen. Aber dazu muss eben wöchentlich alles aufgeboten werden, was das Kammerjägerherz erfreut. Und ich fahre Fahrrad - mittendurch.
Egal, ich versuche meinen Geist bereits auf die Yogastunde einzustimmen und trete mit aller mir gebotenen Seelenruhe in die Pedale. Es geht durch den vierspurigen Kreisverkehr, und ich halte wie ein Vollprofi abwechseln die Hand links und rechts hinter mich und wedle, wie ich es mir abschaut habe, um den Autofahrern zu signaliseren, dass ich eben NICHT abbiegen will.
Ich bin nach kurzer Zeit schweißgebadet, das liegt sowohl an meiner Konzentriertheit als auch an der Außentemperatur. Zu allem Übel geht es noch steil den Cairnhill-Berg hinauf, bis ich endlich in die Orchard Road einbiege.



Als ich mein Fahrrad vor dem Centrepoint Einkaufszentrum abstelle (mitten auf dem Gehweg, einen Fahrradparkplatz gibt es natürlich nicht), erreicht mich eine WhatsApp des Yogastudios, in der mir der genaue Weg erklärt wird. Guter Service! Fünf Minuten später stehe ich vor der Filiale von RealYoga, hier darf ich heute eine Schnupperstunde machen.



Man nimmt mich in Empfang, führt mich einmal durch das sehr große Studio, und dann werde ich in die "Stretch-Yoga"-Stunde geschickt. Im sehr großen Übungsraum sitzen bald gut 40 Asiatinnen - und ich. Die Tür geht auf, und Yogalehrer Pravesh, ein kleiner, drahtiger Inder mit Modelgesicht wie aus einem Bollywoodfilm, betritt den Raum. Sofort wird es mucksmäuschenstill, als er alle begrüßt, und mit Adleraugen sofort mich als "Neuling" ausmacht. Klar, bin ja auch die einzige Langnase hier. Die folgenden 90 Minuten wird gedehnt, gedreht und geächzt, dass es eine Wonne ist. Pravesh schafft es, durch zielgenauen Druck die Gelenke noch mehr knacken zu lassen und die Sehnen zu spannen. Am Ende der Stunde fühle ich mich, als sei ich 10 cm größer und hätte jeweils 20 cm längere Arme.
Kaum bin ich draußen, steht schon der Studiochef vor mir und drückt mir das zu erwartende Verkaufsgespräch auf. Mit großer Geste erklärt er sämtliche Tarifoptionen und spielt die überaus stolzen Preis elegant herunter. Als ich nach 20 Minuten überlege, wie ich höflich mit der Bitte um Bedenkzeit entkommen kann, drückt er mir die Papiere in die Hand und sagt: "Surely you have to talked to your husband first." und entlässt mich. Ich bin so verdutzt, dass ich versucht bin, zu rufen: "Moment mal, ich kann gut für mcih alleine entscheiden und schließe sofort einen Zweijahresvertrag für 2.500 S$ ab!", kann mir den falschen Stolz aber gerade noch so verkneifen.
Einen kurzen Abstecher beim H&M (bei dem ich staunend die Winterkollektion mit Mützen, Schals und Rollkragenpullis bewundere, aber immerhin für Titus zig neue kurze Hosen erstehe) und der 20minütigen Radltour nach Hause bin ich total erledigt. Und wieder kommt eine WhatsApp vom Yogastudio: ich sollte deutlich mehr Wasser trinken. Nun gut, gesagt, getan.

Am Nachmittag haben Titus und ich einen großen Ausflug vor uns. Wir fahren mit dem Bus quer durch die Stadt (und zählen an sämtlichen verfügbaren Fingern die Haltestellen ab) bis zur großen Ikea-Filiale in der Alexandra Road. 


Dort stöbern wir ein Stündchen herum, und treffen dann um 19 Uhr Norman im Restaurant. Die vegetarischen Köttbullar hier werden in einer dermaßen scharfen, koreanischen Sauce serviert, dass wir alle nach Luft schnappen. Da Titus sich eh schon langweilt, können wir ihn überreden, ins Kinderland zu gehen. Mit einem zweiseitig beschriebenen Einkaufszettel ziehen Norman und ich frohgemut los, lassen die Schlafzimmerabteilung hinter uns und fangen gerade bei den Regalen an zu überlegen, welches ins Esszimmer passen würde, als schon das Handy klingt - das Kind möchte abgeholt werden. Nach zehn Minuten.
In den folgenden zwei Stunden wird sehr viel gequengelt und genölt, doch es hilft nichts, wir müssen am besten auf einmal alles Nötige kaufen, denn in Ermangelung eines Autos müssen wir den gar nicht mal so billigen Lieferservice in Anspruch nehmen. Bepackt mit vier (!) vollen Einkaufswagen stehen wir dann um 21:30 Uhr endlich an der Kasse, und während Norman noch versucht, den letzten fehlenden Schreibtisch aufzutreiben, veranstalte ich mit Titus ein Wettrennen um die Einkaufswägen und hole schon mal Kekse und Eis zur Aufhellung der gereizten Stimmung.



Am Schalter des Lieferservices muss natürlich erst einmal eine Wartenummer gezogen werden (obwohl überhaupt niemand außer uns wartet), aber Ordnung muss sein. Die Diskussion über Liefertermin und das Ausfüllen der diversen Formulare dauert. Immerhin wird in Singapur auch sonntags ausgeliefert, wir müssen also nur drei Tage warten.
Um 22:05 Uhr, fünf Minuten nach Ladenschluss, verlassen wir das Geschäft mit zig Tüten voller Kleinkram. Der bestellte Uber-Fahrer lacht nur, bei einer Abholung beim schwedischen Möbelhaus ist mit solch bepackten Fahrgästen wohl zu rechnen. Netterweise hilft er uns daheim sogar noch beim Ausladen. Um 23 Uhr ist das Kind dann endlich im Bett - was für Rabeneltern wir doch manchmal sind, oder...
Leider sind sowohl Schreibtisch als auch Abstellkammerregale momentan nicht auf Lager, d.h. wir müssen demnächst noch einmal 

Sonntag, 20. August 2017

Tierisch was los

Nach den Anstrengungen gestern und der sehr (!) späten (!) Heimkehr schlief die gesamte Familie ausgiebig aus heute morgen, und so entdeckte ich die wunderbare SMS auf meinem Handy erst nach dem Aufstehen:


Dank Übersetzungsprogramm konnte ich dann immerhin herausfinden, dass man sich entschuldigt, dass der Maniküre-Termin im China-Lokal (ich berichtete) leider nicht mehr zustande kommen konnte, freut sich aber auf meinen nächsten Besuch. Wird gemacht!

Gegen halb zwölf scheuchte ich die Herren dann aus dem Apartment, und wir genossen die 40minütige Busfahrt einmal von Süden nach Norden - der Expressbus düste mit sehr wenigen Stops über die Autobahn und unter der schönen Brücke durch, die extra für Tierwanderungen angelegt wurde; statt für Kröten hier aber für Warane, Affen und anderes tropisches Getier.


 Punkt 12 Uhr erreichten wir den Singapurer Zoo, leider nicht alleine, denn am Sonntag machen auch Singapurer einen Familienausflug. Da Titus und ich ja bereits stolze Besitzer von Jahreskarten sind, reihte Norman sich alleine in die unübersichtliche Schlange vor den Kartenschaltern ein, nur um kurz darauf wieder vor uns zu stehen und zu verkünden, dass er nun doch auch eine Jahreskarte kaufen würde, da sich das Ganze beim dritten Besuch innerhalb eines Jahres bereits amortisiert habe. Dann mal los.


 Doch diesmal dauerte die Beschaffung der Jahreskarte leider über eine halbe Stunde, da das Personal chaotisch agierte. Egal, irgendwann waren wir drinnen, ergatterten den letzten Leih-Kinderwagen und marschierten los.
Auch heute war uns das Wetter wieder äußerst hold, die Sonne schien vom blauen Himmel, nur Norman verschwand direkt in der Eisbären-Höhle und wollte gar nicht mehr rauskommen. Erst die freischwingenden Orang-Utans konnten ihn wieder hervorlocken, auch die Aussicht auf Eis rief Begeisterung hervor. 





Wieder schafften wir trotz unseres fast fünfstündigen Besuchs wieder nur 2/3 Drittel, auch auch diesmal faszinierte uns alle das wirklich toll gemachte Reptilienhaus sehr. Außerdem war es schön kühl dort, was vor allem bei Norman zu ungeahnter Begeisterung für Chamäleons und Schlangen führte. Hoffentlich bringt er demnächst nicht noch ein Haustier mit.







Titus spielte den Reiseführer und fläzte dabei lässig im Kinderwagen, mit patschnass geschwitzten Haaren und immerzu irgendetwas essend oder trinkend. Wirklich praktisch sind die überall im Zoo aufgestellten Trinkwasser-Stationen, an denen die eigene Wasserflasche aufgefüllt werden kann. Immer ein klitzekleiner Beitrag zur Müllvermeidung.

Obwohl ich noch gerne die Nasenaffen und die große Voliere besucht hätte, drängelte der Rest der Familie gegen halb sechs zum Aufbruch und verschwand zurück in unserem provisorischen Zuhause direkt im Pool. Ich musste leider feststellen, dass "mein" Laufband im Fitnessraum besetzt war und beschloss kurzerhand, dass ich ja ebenso gut draußen laufen gehen könnte, schließlich kenne ich mich ja nun schon einigermaßen aus. Bei 32 Grad ein nur mäßig guter Gedanke, und auch die Strecke von der Scotts Road über den 4spurigen Newton-Kreisverkehr, bei dem es noch nicht einmal einen Fußgängerweg geschweige denn eine Möglichkeit zur Überquerung gibt, war nur so halb idyllisch. Die Autos und Busse dröhnten so laut an mir vorbei, dass ich von meinem Krimi-Hörbuch nur die Hälfte verstand. Halb im Abgas-Delirium sehnte ich mich wie verrückt nach meinem wunderschönen Olympiapark... Nach einer guten halben Stunde kam ich mit rotem Kopf und klatschnass zurück und hüpfte direkt auch ins Schwimmbecken.

Aus Knausrigkeit (die Essenspreise im Zoo haben es in sich!) hatte die gesamte Familie außer den eingepackten Stullen fürs Kind und ein bisserl Obst und ein Eis für alle den ganzen Tag über nichts gegessen, und so spielten sich beim sonntäglichen Pastakochen dramatische Szenen in der Küche ab, weil das Kind unbedingt sowohl die noch ungekochten Spaghetti als auch die tiefgekühlten Erbsen einfach so essen wollte. 


Um 21 Uhr war dann endlich Ruhe, Titus schlummerte, ich konnte mich an den Laptop setzen, während Norman sich neben mir mit den Singapurer Strom- und Gasanbietern beschäftigte. Wie gut, dass der "Tatort" noch Sommerpause hat! :-)