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Freitag, 10. November 2017

Ein Nachmittag im ArtSciene Museum

Die ersten Säckchen für den Adventskalender habe ich fertig genäht, währenddessen piepst mein Handy im Minutentakt: Norman schickt mir sehr lustige Fotos seiner Weihnachtsfeier und jammert, dass die ohrenbetäubend laute Musik und die zig Spielchen nur mit sehr viel Alkohol zu ertragen seien. Firmenfeier à la Singapur!

Und dabei war doch heute tagsüber noch so müde, da er erst wirklich spät nachts aus Bangkok zurückgekommen war. Zu allem Übel war Titus, als ich um 22:30 Uhr aus der Chorprobe geradelt kam, noch putzmunter und saß spielend mit Babysitterin Jiexi in seinem Zimmer. Bis ich das Kind eingeschläfert im Bett hatte, war es fast Mitternacht, und derartig schlecht gelaunt war der kleine Mann (nach einer sehr unruhigen Nacht) dann heute morgen nach dem Aufstehen auch.
Ich war also erstmal froh, als beide Männer aus dem Haus waren, putzte wie eine Wilde die Küche und die Böden, radelte zum Markt und hielt mein Schwätzchen mit der Bäckers- und der Gemüsefrau, nahm daheim die Lebensmittellieferung entgegen und grübelte währenddessen, woran wohl Titus' momentane Phase des Spät-Einschlafens liegen könnte.

Kurzerhand beschloss ich, am Nachmittag ein wenig "Action" zu machen und das Kind auszupowern. So fuhren wir mit dem Taxi nach dem Kindergarten bei strömendem Regen ins ArtScience-Museum direkt neben dem Marina Bay Sands Hotel. Genau das Richtige bei dem Wetter, und zu unserem Glück ist Freitags auch noch "Family Day" und Kinder bekommen freien Eintritt. Ich galt mit meinem Ausweis als "Singapore Resident" und zahlte nur 13 S$; dazu bekamen wir noch zwei Flaschen Wasser gratis dazu.





Leider wird die Ausstellung, die ich eigentlich sehen wollte, erst Ende November eröffnet, doch die Dame an der Kasse empfahl uns wärmstens die Dauerausstellung "Future World", und was soll ich sagen: die ist genial! Und zwar sowohl für Kinder als auch für ausgewachsene Menschen mit Spieltrieb!

Gezeigt wird eine "virtuelle" Welt, bestehend aus Installationen verschiedenster Künstler. Alle Exponate sind interaktiv, d.h. es soll und darf mitgespielt und ausprobiert werden. In vier Abteilungen - Nature, Town, Park, Space - gibt es u.a. eine Rutsche, bei der auf die Rutschbahn projizierte Früchte erwischt werden sollen, es gibt Städte zu entwerfen, auf Kissen in einem dunklen Raum kann man es sich gemütlich machen und computeranimierten Wellen zuschauen. 




Das Exponat "A Table Where Little People Live" projiziert kleine Männchen auf einen Tisch. Sobald man seine Hand oder einen anderen Gegenstand darauf legt, reagieren die Kerlchen darauf, holen Leitern, fangen an zu hüpfen und zu klettern. Je mehr man selbst mitwirkt, umso aktiver wird die Animation.



Titus war völlig begeistert, rutschte hundertmal ("Mama, jetzt hab ich die Wassermelone weggestupst."), ließ Männchen über seine Hände kraxeln und wäre am liebsten schon am Beginn der Ausstellung für den Rest des Nachmittags geblieben.
Am besten gefiel uns aber wohl die "Sketch Town" bzw. das "Sketch Aquarium". Hier konnte man auf ausliegenden Malvorlagen Hochhäuser, Busse, Flugzeuge und später dann Fische, Seepferdchen und Tintenfische ausmalen. An Scanner-Stationen ließen sich die Kunstwerke per Knopfdruck einscannen - und die eigenen Motive tauchten kurz darauf animiert auf riesigen Stadtlandschaften und Unterwasserwelten auf. Was für ein Spaß!




Ein weiterer Höhepunkt in der Abteilung "Park" waren das "Light Ball Orchestra". Dieses besteht aus ungefähr 20 Gummibällen, die darauf programmiert sind, miteinander zu interagieren, sobald sie berührt werden, sich gegenseitig berühren bzw. in jeder erdenklichen Art "bespielt" werden. Daraufhin verändern sie ihr Licht und machen eine Art "Computer-Musik". Titus jedenfalls juchzte und quietschte selig, während er die riesigen Bälle umherschubste, sie hüpfen ließ, sich darauflegte und dazwischen umher rannte.



Gegen 18:30 Uhr konnte ich ihn dann endlich aus dem Museum lotsen, denn zugegebenermaßen war ich am Verhungern. Auf dem Fußweg über die Helix Bridge bei immer noch anhaltendem Nieselregen diskutierten wir die Abendessen-Optionen und kamen zusammen zu dem Schluss, dass wir dringend eine Pizza bestellen sollten. Dank UberEats gesagt, getan. Leider machte uns (fast) der zu spät kommende Bus und der Feierabend-Stau einen Strich durch die Rechnung - mein Dank geht deshalb an die geduldige Lieferantin, die zuhause im Auto auf uns wartete und uns, die wir im Laufschritt angaloppierten, zwei Pizzen in die Hand drückte.

Tatsächlich scheint mein Plan aufzugehen: nach dem Abendessen ging der Junior ohne Umweg ins Bett und schnarchte bald friedlich. Wir brauchen also mehr Programm für die Nachmittage!




Sonntag, 5. November 2017

Wanderung am Mount Faber und im HortPark

Während Putzfee Biu neben mir steht und bügelt (inzwischen konnten wir das Missverständnis mit den Verbrauch von Putzlappen klären), komme ich dazu, ein bisschen von unserem Wochenende zu erzählen:

Den Samstag Vormittag verbrachten meine Männer erst beim Rollerhändler, da Normans Roller-Rücklicht kaputt war, und besuchten dann noch den nahe gelegenen Spielplatz. Titus bestand anschließend darauf, den kompletten Heimweg auf Papas Elektroroller zurückzulegen (gut 4 km). Kurz darauf standen zwei indische Handwerker in unserem Wohnzimmer, die mit riesigen Geräten anrückten, um die Klimaanlagen zu warten. Dies muss per Wartungsvertrag alle drei Monate gemacht werden, um Schimmelbildung zu vermeiden. Gut eine Stunde lang putzten und schrubbten die beiden, immer genauestens von Titus beobachtet, während wir auf dem Balkon saßen.


Am Nachmittag folgte ein ausgiebiger Schwimmausflug zum Pool, und abends machten wir uns auf zum quirligen Clarke Quay. Hier reihen sich am Fluss entlang ein Restaurant neben das andere, Unmengen Touristen und Einheimische sind unterwegs und jedes Lokal wirbt mit einer Getränke-Happy Hour. Wir waren mangels Mittagessen (außer Titus, der besteht auf seine samstägliche "Nudelsuppe mit Anneliese-Brühe") sehr ausgehungert und kehrten recht schnell zum Mexikaner ein.
Dort verspeiste das Kind Nachos, Pommes und dazu noch meine Tortillafladen und fiel dann bei der Heimfahrt im Taxi in eine Art Kohlehydratkoma...


Leuchtdrachen-Show direkt am Quay gegenüber

Am Sonntag schliefen wir dann dementsprechend lange und nach einem ausgiebigen Frühstück packten wir den Wanderrucksack und fuhren mit dem Uber zum Mount Faber. Rund um diesen Berg und dem dazugehörigen Park führen viele verschiedene Wanderwege, es gibt "treetop walks" hoch oben zwischen den Baumwipfeln und riesige hölzerne "board walks" mit Spielmöglichkeiten (die sog. "Henderson waves"), dazu hat man eine wundervolle Aussicht über den Hafen und die Stadt.




 Natürlich hatten sich gerade heute mal wieder die sonst allgegenwärtigen Regenwolken verzogen und die Sonne knallte vom strahlend blauen Himmel, so dass wir nur von den kleinen Anstiegen und vom Herumstehen nass geschwitzt waren. Titus war völlig in seinem Element, er rannte und tobte und hüpfte und kletterte zwei Stunden lang herum, nur unterbrochen von kleineren Picknickpausen. Eifrig suchten wir nach den Affen, vor denen auf Schildern gewarnt wurde, doch außer diversen Käfern, Raupen und Hörnchen konnten wir keine Tiere finden.








Die Gondel ließen wir links liegen und marschierten stattdessen den gesamten Weg hinunter und direkt in den angrenzenden HortPark weiter. 




Dort fand gestern ein kleines Festival der Nachbarschaftsgruppe statt, Thema waren essbare Pflanzen, Gemüse- und Obstanbau. Es gab viele Verkaufsstände von Gärtnereien, aber auch viele Leckereien wie z.B. Eis oder Coconut Shakes, das wir natürlich beides probieren mussten - denn wir waren ganz schön erhitzt von unserer kleinen Wanderung.




Da Titus weiterhin sehr lauf-motiviert war, marschierten wir weiter durch den Park. Dort reihen sich wunderschön bepflanzte Gärtchen aneinander, alle nach einem bestimmten Thema angelegt. Immer wieder gibt es herrlich schattige Bänke, Spielmöglichkeiten und Trinkwasserspender, Kunstinstallationen und herrliche Blumen und sonstige Gewächse. Eine echte Oase!





Gegen 15 Uhr forderte die Dauerhitze aber ihren Tribut, wir waren allesamt völlig erledigt und ließen uns im klimatisierten und herrlich kühlen Taxi erst einmal erleichtert in die Sitze sinken und nach Hause kutschieren.

 Mit Eiskaffee und Bäckertüten ging es dort direkt an den Pool, und wir verbrachten einen sehr entspannten Nachmittag mit Schwimmen im Wasser, während wir sehr angeregt mit den französischen Nachbarn aus dem 20. Stock plauderten und dabei Bälle hin- und her warfen, sehr zur Freude des dauerquietschenden und -juchzenden Titus'. Der traute sich zwar erst nach etwa einer Stunde in den etwas kühlen Pool, schwamm dann dafür aber in der folgenden Stunde ununterbrochen hin und her, bis er zu zittern anfing.



Zum "Aufwärmen" gab es zum Abendessen Kürbissuppe, gepaart mit der Erkenntnis, dass heiße Suppe auf dem Balkon bei 28 Grad leider keine so gute Kombination ist.
Jedenfalls schlief das Kind ab 21 Uhr seligst im Bett und Norman und ich konnten endlich die Reiseroute für Bali in Angriff nehmen und gleich die ersten Unterkünfte buchen. Dabei vergeht die Zeit ja immer dermaßen schnell, während man sich durch hunderte Hotelbewertungen klickt, bis einem der Kopf schwirrt...

Freitag, 20. Oktober 2017

Urlaubspause!

Singapur³ verabschiedet sich in den Urlaub - wir fahren morgen früh auf die malayische Insel Tioman, ganz unspektakulär mit Taxi und Fähre, ins hübsche Minang Cove Resort. Dort kann man nicht nur wunderbar schnorcheln, tauchen und Dschungelwanderungen unternehmen, sondern ist tatsächlich auch virtuell "offline", da es keine Internetverbindung gibt. Für uns schön, für meine Leser heißt das nun leider: Habt Geduld, der Urlaubsbericht folgt dann mit Verspätung!

River Safari

Wieder einmal hat Titus' Kindergarten geschlossen, diesmal aufgrund irgendeiner Fortbildung für die Erzieher. Leider bleibt das erhoffte "Lange-Ausschlafen" aus. Da im Kindergarten zumindest in Titus' Gruppe darauf bestanden wird, dass die Kinder nach dem Mittagessen mindestens 30 Minuten hinliegen (und dabei natürlich meistens einschlafen), pennt unser Kind nun hin und wieder, obwohl er seit fast 1 1/2 Jahren ohne Mittagsschlaf bestens auskommt. Das Ende vom Lied: vor 22 Uhr ist an Einschlafen nicht zu denken. Und trotzdem kräht es um 7 Uhr: "Aufstehen, guten Morgen!"
Immerhin "darf" ich nach dem Frühstück noch eine Ladung Wäsche in die Waschmaschine verfrachten - und finde dabei in einer der aufgestellten Fallen zwei riesige Kakerlaken vor, von denen eine noch mit den Fühlern zuckt. Todesmutig und mit sehr spitzen Fingern nehme ich die Falle, werfe sie in eine Tüte, mache einen fünffachen Knoten und schmeiße das Ding in hohem Bogen in den Müllschacht. Hoffentlich meldet sich der angefragte Kammerjäger bald mit einem Angebot!

Gegen halb zehn brechen Titus und ich per Bus auf, es ist bereits brütend heiß draußen, doch nach 40 Minuten Fahrt im Bus haben wir eiskalte Gliedmaßen und sind sehr froh, an der Endhaltestelle "Zoo" aussteigen zu dürfen. Für heute habe ich im Vorfeld Tickets für die "River Safari" gekauft; dessen Gelände direkt neben dem großen Zoo liegt und deren Schwerpunkt auf Fischen und anderen Wassertieren liegt. Erstaunlicherweise ist überhaupt nichts los, wir treffen nur auf wenige andere Besucher, und sind schon nach den ersten Metern begeistert. Auf beschatteten Wegen führt uns die Route durch verschiedene Bereiche, die alle anhand der großen Flüsse gestaltet wurden. Die entsprechenden Tierarten sind dort zu bewundern, neben Fischen und Krokodilen gibt es Affen und Vögel zuhauf zu entdecken, die Terrarien, Aquarien und Volieren sind riesig und wir haben immer beste Sicht.


Am großen "Mekong"-Aquarium ist gerade eine Rochenfütterung zugange, ein Taucher reicht dem metergroßen Rochen kleine Fische und Krabben an, direkt vor unserer Nase. Titus klebt förmlich an der Scheibe, und ich nutze die Gelegenheit und führe ihm ein wenig die Magie des Tauchens vor, damit er für unseren morgen beginnenden Urlaub gerüstet ist und weiß, was Norman und ich dort vorhaben.


Ungefähr auf der Hälfte der Strecke steht das riesige Pandahaus, ach was, Halle trifft es besser. Voll klimatisiert, unfassbar groß, wunderhübsch wie ein Bambushain bepflanzt, und alles für zwei mittelgroße Pandas. Die Asiaten sind natürlich hin und weg, der Souvernirshop wird gestürmt, noch bevor man überhaupt die Tiere zu Gesicht bekommen hat. Und Titus wirft dann auch nur einen kurzen Blick auf das mampfenden Panda-Weibchen und findet sie dann schon langweilig und will weiter.


Im Eintritt enthalten ist eine kleine Bootsfahrt auf dem See, zum Glück weht uns dabei ein wenig Wind um die Nase, denn die Sonne brennt ungehindert auf uns nieder, und Tiere sind auch bis auf zwei Schildkröten im Wasser keine zu sehen. Viel spannender ist dann der Besuch im Gehege der Totenkopfäffchen, die sind nämlich sehr unerschrocken und turnen nur Zentimeter von uns entfernt vorbei.

 Einen echten Höhepunkt erleben wir dann noch einmal kurz vor dem Ausgang: ein unfassbar großes Aquarium, das von unten, oben und von den Seiten betrachtet werden kann. Darin tummeln sich massenhaft Fische, Otter - und ein paar Seekühe! Zunächst versteht Titus gar nicht, wovon ich rede, unter "Seekuh" kann er sich nicht so recht etwas vorstellen, doch dann schwebt eine direkt von unseren Gesichtern vorbei, und die Begeisterung ist groß.



Sehr glücklich fahren wir nach fast 5stündigem Besuch mit dem Bus nach Hause, Titus ratzt ein paar Stationen vor unserem Zuhause noch ein und hält ein kurzes Nickerchen, ist nach wenigen Minuten aber wieder munter und spielt daheim fast zwei Stunden mit Nachbarskind Gabi (und ihrer Nanny), während ich halbwegs in Ruhe unsere Koffer packen kann.


Auf dem Sportplatz am Haus toben am frühen Abend zig Nachbarskinder herum und spielen Ball, während Titus und Gabi mit den Rollern dazwischen umherflitzen und sichtlich Spaß haben, bis ich den völlig verschwitzten Junior in die Dusche und nach dem Abendessen direkt ins Bett dirigieren kann. Und heute schläft er innerhalb von fünf Minuten ein...

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Happy Diwali!

Am Dienstag morgen schlingt sich Titus meinen indischen Schal um den Hals, ich ziehe mir ein passendes Oberteil über, wir befestigen den Puh-Bären am Roller und düsen so in kürzester Zeit in den Kindergarten.

Der Roller wird dort ordnungsgemäß geparkt, es stehen schon einige andere Kinderroller am Eingang, und ich gebe Titus in seinem Gruppenraum ab. Alle Erzieherinnen sind in festliche indische Gewänder gekleidet, der ganze Kindergarten ist mit Lichtern geschmückt, und beim Abholen am Nachmittag finde ich auch ein hübsches Rangoli vor. Titus zeigt mir dann auch stolz, welches der kleinen Öllämpchen-Gefäße er bemalt hat.


Auf dem Heimweg erklärt er mir: "Mama, weißt Du, worauf ich heute Lust habe? - Pfannkuchen zu backen!" In der Woche zuvor habe ich mich darauf eingelassen, doch heute will ich bei der Hitze lieber an den Pool und wir diskutieren eine ganze Weile. Zum Glück treffen wir an der Haustüre Gabi mit ihrer Nanny, und die fragt sogleich, ob Titus zum Spielen kommen mag und ob sie für ihn Pancakes backen soll. Glück gehabt!

Die Kinder spielen sehr süß miteinander, und als Titus mal auf's Klo muss, leistet ihm Gabi sogar dort Gesellschaft. Am späten Nachmittag wollen alle noch eine Runde raus zum Toben, und so düsen die Kleinen mit ihrem Rollern auf dem hauseigenen Sportplatz umher, während ich mit Gabis großem Bruder ein bisschen Körbe werfe, bis wir allesamt patschnass geschwitzt sind.



Abends im Chor ist nur etwa die Hälfte der Sänger anwesend; und Dirigent Alan plagt uns ganz schön und lässt auch bei Kleinigkeiten nicht locker. Das Weihnachtskonzert rückt näher...
Ich bin froh über die einsame und lange Busfahrt nach Hause, dort kann ich dann abschalten.

Mittwoch ist ja Feiertag, wir starten gemütlich in Deepawali, frühstücken ausgiebig, hängen herum und ich gönne mir am Vormittag eine Yogastunde. 

Endlich habe ich "mein" Studio gefunden, bei YogaMovement (eine Empfehlung von Normans Arbeitskollegin Laura) habe ich mich bereits nach der Probestunde sehr wohlgefühlt - und die 10er-Karte kostet dort auch "nur" S$220. Heute ist "Core-Yoga" dran, und die ganze Gruppe stöhnt während der vielen Haltepositionen für die Tiefenmuskulatur.

Im Bus bei der Heimfahrt treffe ich auf viele festliche gekleidete Menschen, alle sind Richtung Little India unterwegs. Ich fahre aber erst einmal zurück nach Hause und backe zusammen mit Titus einen Kirschkuchen mit Streuseln, denn am Nachmittag bekommen wir Besuch von Petra, Bo, Niclas und Lucas. Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag auf dem Balkon mit Kaffee, Kuchen und Eis und anschließend am und im Pool. Der 8jährige Lucas kümmert sich rührend um Titus und spielt stundenlang mit ihm in der Spielküche, Titus ist schwer verliebt und lässt bei der anschließenden gemeinsamen Fahrt nach Little India und beim Weg durch die Menschenmassen dort die Hand des Buben nicht mehr los, während er ohne Unterlass redet und immer wieder "Voll geil hier, oder?!" ruft.







In den engen Gässchen ist unfassbar viel los, an den Marktständen voller Schmuck, Deko und Krachern schieben wir uns mühsam vorbei, die Gerüche und Geräusche und Eindrücke erinnern so sehr an Indien, dass wir uns in einem anderen Land wähnen.


Es wird bereits dunkel, als wir endlich ein kleines Restaurant finden, in dem noch genügend Platz für uns alle ist (Madras New Woodlands). Ohne viel Federlesen übernimmt der Chef des Hauses unseren Tisch und nötigt uns diverse Thalis, Dosas, Samosas und Lassis auf. Titus hat sich selbstverständlich zwischen die beiden großen Jungs gesetzt, geht selbstständig mit den beiden zum Händewaschen und mampft dann begeistert ein riesiges Dosa.

Auch wir sind sehr angetan vom Essen, der angebotene Nachtisch (Palappam) passt zwar nicht mehr rein, ist aber so lecker, dass wir ihn trotzdem aufessen.
Ermattet bezahlen wir die S$80 (für 7 Personen) und schlendern zur Bushaltestelle. Fasziniert betrachten wir den Trubel auf der hell erleuchteten und bunt geschmückten Hauptstraße, und Titus ist so aufgedreht, dass er kaum noch zu bändigen ist. Es ist schon nach halb zehn, bis wir das Kind endlich ins Bett bugsieren können, und ich muss versprechen, dass sein "Freund Lucas" bald wieder zu Besuch kommt.


Samstag, 7. Oktober 2017

Children's Day

Heute ist Children's Day in Singapur - und zur Feier des Tages haben fast sämtliche Kindergärten und Schulen geschlossen. Immerhin gab es ein kleines Geschenk für Titus vom Kindergarten, doch es liegt an mir, das Kind den heutigen Tag über zu beschäftigen.


Titus ist natürlich ganz begeistert, dass heute kindergartenfrei ist, freut sich schon seit zwei Wochen darauf und ist also sehr kooperativ heute morgen. Zuerst bugsiere ich ihn in den Bus und wir fahren die zwei Stationen zu "unserem" Markt. Schnell sind die Wocheneinkäufe beim Gemüse-, Obst- und Nudelstand erledigt, die Bäckerin freut sich wieder sehr, uns zu sehen und drückt uns eine Extra-Semmel in die Hand.
Der Einkauf ging so schnell, dass wir bereits um 10 Uhr schon wieder an der Bushaltestelle stehen - diesmal ist das Ziel aber: der Zoo!
Die Busfahrt ist schier endlos, heute ist es dazu unerträglich heiß und wir freuen uns, dass der Weg von der Bushaltestelle bis zum Zoo-Eingang wie so oft in Singapur durchgehend überdacht (und damit schattig) ist.


Da heute wie gesagt sehr viele Kinder von ihren Familien bespaßt werden, ist es unfassbar voll. Doch dank unserer Jahreskarte sparen wir uns das Anstehen, gehen direkt durch das Eingangstor und ergattern den vorletzten Buggy beim Verleih. Puh, erst einmal den Rucksack dranhängen - in diesem befinden sich etwa 5 kg Verpflegung. Denn zum einen ist das Essen im Zoo selbst sauteuer und nicht besonders toll, zum anderen braucht Titus dringend ein bisserl mehr auf die Rippen. Und unser Kind hat natürlich brav sofort Hunger und stoppt im Folgenden an jeder dritten Parkbank für eine Brotzeitpause.


Schlauerweise wählen wir die Route, die wenig begangen wird, und so merken wir in den ersten zwei Stunden unseres Besuchs nicht allzu viel von den Menschenmassen. Die Hitze treibt uns häufig in gekühlte Tierhäuser, und so stehen wir ewig bei den Pavianen, die sich akribisch und in aller Seelenruhe lausen ("Mama, schau, die monkeys - die essen das ja!?"), beim weißen Tiger und im Reptilienhaus. Immer wieder kriechen große Warane über den Weg oder rascheln neben uns auf der Wiese, und Titus-Adlerauge entdeckt ein Orang-Utan-Kind, das direkt über unseren Köpfen Akrobatikübungen am Ast macht.




Wir sehen die Elefanten- und Giraffenfütterung, doch in der Sonne ist es einfach zu heiß. Mit fortschreitender Uhrzeit türmen sich aber mehr und mehr dicke Wolken am Himmel auf, gegen 14 Uhr hören wir alle paar Minuten lauten Donner, und endlich kommt ein wenig Wind auf.
Gegen halb vier ist das Kind ermattet - und ich auch - und wir steigen wieder in den Bus. Gerade, als die Bustür sich hinter uns schließt, öffnet der Himmel seine Schleusen und ein Unwetter beginnt. Beim Umsteigen zehn Minuten später strömen bereits Sturzbäche über die Straße und Titus spielt in den großen Pfützen. 



Leider werden wir bei der darauffolgenden Busfahrt tiefgekühlt, wir sind leicht feucht und frieren bei 15 Grad Innentemperatur erbärmlich.
Ich kann Titus zuhause problemlos zu einem warmen Bad überreden, damit nicht schon wieder der nächste Schnupfen vorprogrammiert ist.

Gegen 18 Uhr brechen wir wieder auf, wollen mit dem Bus zu Norman, um ihn wie so oft freitags vom Büro abzuholen. Doch der Verkehr ist chaotisch, wir brauchen schon für zwei Stationen fast eine Viertelstunde, und so steigen wir kurzerhand in die MRT um - dort ist es zwar auch immer so kalt, aber diesmal habe ich Pullis für uns dabei! Titus amüsiert sich köstlich über die Namen der Stationen ("Was soll denn Downtown sein?!"), so dass alle Umstehenden grinsen müssen.

Norman kommt uns bereits entgegen, und per Roller (Norman und Titus) bzw. zu Fuß (ich) geht es in die Amoy Street - und zwar schnell, denn inzwischen sind die fetten Gewitterwolken auch bis hierher gezogen und es blitzt und donnert bereits. In und rund um die Amoy Street reiht sich eine Bar und ein Restaurant neben das andere - ein echtes Ausgehviertel. Wir schlendern ein wenig herum und landen schließlich im "Urban Bites", einem kleinen Lokal mit israelischer Küche. Bald schwelgen wir in Hummus, Halloumi und Granatapfelkernen, Titus verputzt Fladenbrot und Süßkartoffelpommes und erzählt von unserem Tagesausflug.
Beim Heimweg steht das Kind wie festgenagelt auf dem Roller und weist mich an, ich solle mir doch bitteschön ein Leihrad nehmen, damit man schneller vorankomme. Nun gut, zum Glück steht hier in Singapur wirklich an jeder Ecke so ein Radl, und ich muss mich ganz schön anstrengen, um den beiden Herren auf dem Elektro-Roller hinterherzukommen!